Weltethos Institut
Forschung Projekte und Kooperationen Cassandra Projekt

Projekt Cassandra

Das Team der Studie „Krisenfrüherkennung durch Literaturauswertung“ um Prof. Dr. Jürgen Wertheimer arbeitet seit September 2017 daran, literarische Texte als Prognoseinstrumente im Bereich der Gewalt-Prävention nutzbar zu machen. Die Studie geht von der Annahme aus, dass literarische Texte bereits sehr früh auf innergesellschaftliche Bruchlinien und Gefährdungsmomente verweisen – oft schon Jahre bevor es zu Gewalttaten kommt.

 

Das "Projekt Cassandra" ist nun eine daraus entstandene Kooperation des Bundesverteidigungsministeriums und des Weltethos-Instituts zur Krisenfrüherkennung und Gewaltprävention in folgenden Regionen:

 

  • Kosovo/Serbien
  • Nord- und Südnigeria

 

Krisen erkennen durch Literatur?

Als „Speichermedium“ kollektiver emotionaler Erfahrungen versprachlichen literarische Texte, welche Traumata, Ängste und Hoffnungen Menschen antreiben und bewegen. Indem sie – mit „Big Data“ nicht erfassbare – emotionale Tiefenströmungen abbilden, können sie, richtig analysiert, der Schlüssel zur mentalen und emotionalen „Black Box“ einer Konfliktregion sein und damit komplexe Konfliktdynamiken überhaupt erst sichtbar machen.

Konfliktregionen stehen, so die grundlegende Prämisse, an der Schnittstelle zwischen Fakten und Fiktionen und bedürfen daher neben der politischen auch einer literaturwissenschaftlichen Analyse.
Literarische Texte können grundsätzlich beides: Konflikte anheizen und entschärfen, Feindbilder auf- und abbauen, Ideologien propagieren und unterlaufen. Während „konstruktive“ Texte seismographisch auf innergesellschaftliche Gefahren hinweisen, können „destruktive“ Texte den Aufbau von Feindbildern begünstigen.

Durch eine konfliktfokussierte Text- und Rezeptionsanalyse lässt sich ein „Stimmungsbild“ – eine Emotion-Map – der jeweiligen Fokus-Region erstellen. Auf diese Weise können Gewaltpotenziale, etwa durch die vermehrte Produktion und Rezeption „destruktiver“ Texte, früh erkannt werden.