Weltethos Institut
Forschung

Forschung

Weltethos als Forschungsthema

Unter Weltethos verstehen wir eine Haltung, die durch diejenigen Grundwerte geprägt ist, die allen Kulturen und religiösen Traditionen gemeinsam sind und welche die Menschen überall und stets zu sittlichem Handeln inspiriert haben: die Prinzipien der Gegenseitigkeit und Menschlichkeit sowie die vier substantiellen Werte der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Partnerschaft und Friedfertigkeit. Durch jene Konvergenz elementarer Werte, so der Grundgedanke des Projekts Weltethos, können Personen unterschiedlichster Herkünfte im Dialog miteinander geteilte Vorstellungen entwickeln und auf deren Basis zielführend miteinander kooperieren, beispielsweise um Lösungsansätze für Probleme der Weltökonomie, Weltökologie und Weltpolitik einvernehmlich und gemeinsam zu erarbeiten.

Um jedoch universell zu verpflichten, müssen die Werte des Weltethos nicht nur spirituell, sondern auch säkular fundiert werden. Deshalb betreibt das im Jahre 2012 gegründete Weltethos-Institut entsprechende interkulturelle Grundlagenforschung in Ergänzung der jahrzehntelang betriebenen interreligiösen Forschung seitens der Stiftung Weltethos. Durch die strategische Einbindung diverser sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen und divergierender Ansätze konkretisiert das Weltethos-Institut die Gedanken des Weltethos, allen voran im Hinblick auf Fragen der globalen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Theorie orientiert und verbessert die Praxis

Theorien sind wie Linsen, durch die wir die Welt betrachten: Sie liefern uns die Bilder und Vorbilder, auf deren Grundlage wir handeln. Defekte Theorien führen zu einer defizitären Praxis; gute Theorien verbessern sie. Unsere Forschung folgt insofern dem Motto: „Tiefer denken, besser handeln!“ – und geht sowohl der Frage nach, wie Theorien unsere Haltung und somit unser Handeln prägen, als auch der Frage, welche mentalen Modelle wir benötigen, um nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen in der Welt zu ermöglichen. Das Weltethos-Institut versucht theoretisch jeweils die Ansatzpunkte zu finden, welche praktisch die höchste Hebelwirkung verschaffen – und damit sowohl optimale Effektivität wie Effizienz verleihen.

Das Forschungsprogramm des Weltethos-Instituts erstreckt sich dabei von Prinzipienfragen der theoretischen Grundlagen eines globalen Ethos, dessen ökonomische wie politische Konkretisierung im Kontext der Globalisierung, über Fragen der Vermittlung und Beteiligung (z.B. durch Stakeholder-Dialoge) bis hin zu Anwendungsformen und Praxisbeispielen, z.B. Fallstudien zu Themen des Social Entre- & Intrapreneurship.

Verantwortete Freiheit als methodisches Prinzip

Der Gedanke des Weltethos zielt auf die freiwillige Übernahme kosmopolitischer Verantwortung durch Individuen und Institutionen. Verantwortliche Freiheit ist aber nicht nur das Ziel des Projekt Weltethos, sondern auch dessen Weg: z.B. in Fragen wissenschaftlicher Methodik. Uns geht es nicht darum, Menschen zum Guten zu zwingen. Nicht technokratisch, sondern demokratisch, nicht von oben herab, sondern durch eine Beteiligung aller Betroffenen wollen wir Lösungen erarbeiten für die globalen Probleme der Menschheit. Weltethos – das ist nicht die Globalisierung einer bestimmten, von selbsterklärten „Experten“ oder „Autoritäten“ verkündeten Ethik, sondern umgekehrt das gemeinsame Suchen nach ethischen Antworten auf Fragen, die sich aus der Globalität der menschlichen Lebensverhältnisse heraus stellen. Zum Weltethos forschen heißt weltethisch forschen, d.h. interkulturell, partizipativ und dialogisch, stets in Achtung vor der verantworteten Freiheit aller Menschen. 

Ein Leuchtturm für soziale und ethisch-motivierte Innovation in Wirtschaft und Gesellschaft

In Deutschland entfaltet sich die Diskussion über Wirtschaftsethik zwischen zwei Positionen: der Gesinnungsethik (Moralisieren der Mikroebene individueller Entscheidungen) und der Ordnungsethik (Politisieren der Wirtschaft auf der staatlichen Makroebene). Das Weltethos-Institut möchte keine dieser Ebenen vernachlässigen, sich aber vor allem an der globalisierten Ökonomie orientieren und daher insbesondere die Mesoebene des sittlichen Unternehmertums und dessen Beitrag zur gesell­schaftlichen Institutionen- und Ordnungsbildung (Stakeholder Relations, Network Governance, Cosmopolitan Corporate Citizenship) betonen. Das Weltethos-Institut interessiert dabei nicht nur, wie Haltung (Ethos) zu Handeln (Ethik) führt, sondern noch spezifischer die Fragen, welche Möglichkeiten sich hier öffnen für ethische Innovationen in der Unternehmensführung und dem wirtschaftlichen Alltag. Zudem überlegt es, wie multinational operierende Firmen zur Ordnungs- und Institutionenbildung in der Weltwirtschaft beitragen können.