Weltethos Institut
Aktuelles 
20.09.2018 09:07

Neues von Claus Dierksmeier

Die als Institutsdirektor begonnenen Themen und Kooperationen werden fortgeführt.


 

Humanistic Management an der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) in Montabaur

Professor Dierksmeier berät derzeit die Leitung der ADG in Montabaur über eine Neuausrichtung ihrer ökonomischen Lehre in Richtung auf „humanistic management“. Als eine der bedeutendsten Führungs- und Managementakademien in Deutschland befähigt die Akademie Deutscher Genossenschaften e.V. (ADG) mit Sitz in Montabaur Führungskräfte, Spezialisten, Vorstände und Aufsichtsräte aus Genossenschaftsbanken sowie genossenschaftlichen Unternehmen und kooperativen Organisationen mit einem breiten Bildungs- und Qualifizierungsangebot. Die auf das Genossenschaftswesen spezialisierte Akademie sucht nach einer Lehre und Forschung ausrichtenden Theorie im Einklang mit genossenschaftlichen Werten. In der Vergangenheit war es oft so, dass sich diese mit der „conventional wisdom“ der hergebrachten, maximierungsorientierten Ökonomik rieben. „Um hier weiterzukommen, sei es notwendig“, so Dierksmeier, “vom mechanistischen Denkmuster bisheriger Wirtschaftstheorie auf einen humanistischen Orientierungsrahmen umzustellen. Denn nur so kann der Mensch als die verbindende Mitte zwischen moralischen Werten und ökonomischem Wert angemessen studiert werden.“ Der Beratungsprozess begann im Sommer 2018 und soll im Frühjahr 2019 mit einer neuen Rahmenrichtlinie für Forschung und Lehre an der ADG abgeschlossen werden.

 

 

Promovendin bekommt attraktives Stipendium

Vanessa Schäffner, die schon in ihrer Master-Arbeit zur „Sharing Economy“ von Prof. Dierksmeier betreut wurde und danach bei ihm eine Dissertation zur Ethik des „Autonomen Fahrens“ aufnahm, wurde in das Promotionskolleg „Ethik, Kultur und Bildung für das 21. Jahrhundert“ aufgenommen, das, gefördert von der Hanns-Seidel Stiftung, von einer Kooperationspartnerschaft katholischer Hochschulen in Bayern getragen wird. „Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung, weil ich so die nötige finanzielle und immaterielle Förderung erhalte, die es mir auch und gerade als junge Mutter ermöglicht, meine akademischen Ziele weiterzuverfolgen.“, kommentierte Frau Schäffner, die ihre Promotion nun an der Hochschule für Philosophie in München fortsetzen wird.

Mit ihr freut sich ihr Betreuer, Professor Dierksmeier. Überall auf der Welt, so Dierksmeier, experimentiere man derzeit mit selbstfahrenden Autos. Die ihrer Programmierung zugrundeliegenden moralischen Standards müssen daher auch für Menschen aller Regionen und Bekenntnisse zustimmungsfähig sein. „Welche Werte und Normen aber sich dafür am besten eignen, das ist eine dringliche weltethische Forschungsaufgabe – und ich bin sehr froh, dass Frau Schäffner sich dieser nun ungestört widmen kann.“, sagte Dierksmeier.

 

 

Promotion zu Adam Smith und dem Genossenschaftswesen vor Abschluss

In den letzten Jahren betreute Professor Dierksmeier die Dissertation von Viktoria Schäfer, die in diesen Tagen – unter dem Titel „The Cooperative Idea as an Institutionalization of Adam Smith’s Moral Philosophy“ – fertiggestellt und eingereicht wird. In ihrer Arbeit untersucht Schäfer, ob genossenschaftliche Werte zur strategischen Unternehmensführung taugen – und wie dies ökonomisch zu begründen wäre. Dazu analysiert sie die Wirtschaftsphilosophie von Adam Smith mit besonderem Fokus auf deren ethische Grundierung. Viktoria Schäfer knüpft damit an jüngere Forschungsarbeiten an (u.a. auch von Prof. Dierksmeier) und entwickelt diese im Hinblick insbesondere auf genossenschaftliche Wirtschaftsformen weiter. „Anders als in der herrschenden Lehre ist Smith keineswegs jemand, der ein von Werten und Normen losgelöstes Wirtschaften als den Königsweg zum Wohlstand anrät,“ so Schäfer. Im Gegenteil: Wenn es darum ginge, den Erfolgsbeitrag ethischen Denkens beim Wirtschaften zu erforschen, sei ein Rückgriff auf Smiths Denken immer noch zukunftsweisend, so die Promovendin.

 

 

„The Ethical Promises of Blockchain“

Unter diesen Titel trug Prof. Dierksmeier Mitte September mit einem Vortrag zur internationalen Tagung „Digitization and Business Ethics“ an der TU München bei. Der Vortrag geht aus einem Forschungsprojekt hervor, das Prof. Dierksmeier erneut in Zusammenhang mit Prof. Seele von der Universität Lugano durchführt, mit dem er bereits 2016 zum Thema der auf Blockchain-Technologie beruhenden Cryptocurrencies mit einem weithin wahrgenommenen Artikel reüssierte.

Gegenwärtig arbeiten beide Professor an einem weiteren Artikel, der eine Übersicht über die moralischen Vor- und Nachteile der Blockchain-Technologie bieten soll. Der von Prof. Dierksmeier in München gehaltene Vortrag machte das anwesende Fachpublikum mit ersten Teilergebnissen dieser Studie vertraut. Dabei arbeitete Dierksmeier heraus, wie die gegenwärtig stark im Fokus der Öffentlichkeit stehende Blockchain-Technologie durch das Bilden dezentraler Informationsnetzwerke zum Erfolg ethisch orientierter Geschäftsmodelle beitragen kann. Dierksmeier zeigte vor allem, wie diese Technologie (1) in Entwicklungsländern Individuen den Zugang zu Krediten und damit den ersten Schritt ins Unternehmertum erleichtern, (2) weltweit zur Ausbildung von globalen Kollaborations- und Kooperationsnetzwerken unter Fremden führen und (3) ein lückenloses Monitoring beim Managen weit verzweigter Lieferketten ermöglichen kann. In allen drei Bereichen werden dabei vormals korruptionsanfällige Intermediationsverhältnisse durch technologische Transparenz ersetzt. Dadurch sinken insgesamt die Transaktionskosten und somit nicht zuletzt auch, so Dierksmeier, die Einstiegsbarrieren fürs Entrepreneurship.

 

 

Kooperation zu K.C.F. Krause

Unter anderen Namen – wie moralischer Universalismus und Kosmopolitismus – war die Frage nach einem Weltethos stets ein Anliegen der Philosophie. Dabei ging es in der Tradition philosophischen Denkens in den vergangenen Jahrhunderten allerdings mal mehr und mal weniger kosmopolitisch zu. Im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts herrschten oft nationalistische Töne vor. Ganz anders indes der heute weithin unbekannte Philosophie Karl Christian Friedrich Krause (1783-1832). Er brach seinerzeit eine Lanze für den Mulitlateralismus und legte eine weltumspannende Ethik der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit vor. Seinem Werk und dessen in vielem auch heute noch maßgeblichen progressiven Gedanken zu neuem Ansehen zu verhelfen, ist das Anliegen von Prof. Dr. Dr. Benedikt Göcke von der Universität Bochum, der sich dazu der Zusammenarbeit mit Prof. Dierksmeier versicherte und mit ihm in den nächsten Jahren einige Projekte (Konferenz, Publikation, Förderungsgesellschaft) zur Wiederbelebung der Philosophie Krauses anstrengen will.

 

 

Texte: Claus Dierksmeier
Fotos: WEIT Archiv, Vanessa Schäffner, Viktoria Schäfer, Viktoria Schäfer, Christoph Lütkge, Karl Christian Friedrich Krause - Litographie von Dragendorff bei Wikipedia