Weltethos Institut
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22.12.2014 15:46

Kosmopolitismus in der deutschen Wirtschaftsethik

Was Waren, Güter und Dienstleistungen angeht, ist Deutschaland drittstärkstes Exportland. Der Export von wirtschaftswissenschaftlichen Ideen und –ethischen Innovationen aber stockt. Ob der internationale Diskurs von deutschen Denkschulen profitieren würde, beantwortete Prof. Jacob Dahl Rendtorff beim Vortrag im WEIT.


Die deutsche Wirtschaftsethikforschung hat eine lange Tradition und ist reich an divergierenden Ansätzen, Ideen und Auffassungen. Bislang erhielt das Geistesgut „Made in Germany“ im internationalen Diskurs jedoch wenig Interesse und Anerkennung. Die Frage, warum dies der Fall ist und ob die deutsche Wirtschaftsethik überhaupt international anschlussfähig ist, beantwortete Prof. Dr. Jacob Dahl Rendtorff am Visiting Scholar am 19. November als Ergebnisse seines Forschungsprojektes am WEIT.

Rendtorff, der die Arbeit des Weltethos-Instituts von April bis Juni und von September bis Dezember begleitete, präsentierte sein Projekt "Globalizing German Business Ethics: Paradigms of German Business Ethics in a Cosmopolitan Context". Das von ihm ausgegebene Ziel des Projektes ist es, die verschiedenen Denkströmungen und Positionen der deutschsprachigen Wirtschaftsethik zusammenzufassen und sie auf deren internationale und kosmopolitische Ideen zu prüfen.

Rendtorff identifizierte acht wichtige Schulen in der deutschen Wirtschaftsethikszene:

(1) Verantwortungsethik, (2) Ethische Ökonomie, (3) Ordnungsethik, (4) Republikanische Wirtschaftsethik, (5) Integrative Wirtschaftsethik, (6) Wertemanagement, (7) Globales Wirtschaftsethos sowie die (8) Kritische Theorie der Marktwirtschaft. In seiner Analyse erläuterte Rendtorff die Grenzen und Möglichkeiten der verschiedenen Ansätze. Darüber hinaus skizzierte er deren Potential für die globale Unternehmensethik und die globale Philosophie des Managements. Er sei sich sicher, dass die deutschen Schulen die internationale Kosmopolitismus-Forschung zur Wirtschaftsethik in Zukunft stärker bereichern könnte. Vor allem, weil sie stärker wie angelsächsische Denkrichtungen die Meso-Ebene hervorhebe. Rendtorffs Studie erscheint voraussichtlich im nächsten Jahr.

Prof. Jacob Dahl Rendtorff ist Associate Professor of Responsibility, Ethics and Legitimacy of Corporations und Leiter der Forschungsgruppe “Management in Transition” (MIT) an der Roskilde Universität, sowie Teilzeit-Professor an der Copenhagen Business School in Dänemark. Er ist Präsident des Skandinavischen Chapters des European Business Ethics Network (EBEN) und Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaftsphilosophie und Wirtschaftsethik der Deutschen Gesellschaft für Philosophie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen cosmopolitan business ethics, insbesondere in Hinblick auf stakeholder management, corporate social responsibility and corporate governance.