Weltethos Institut
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07.03.2018 21:52

"Fast Fashion" - Über ethische Standards in der Textilwirtschaft

Moderierte Podiumsdiskussion mit Martin Gross (ver.di) und Thomas Seiber (medico international)


Mehr als 70 Milliarden Euro geben Deutsche jährlich für Bekleidung und Schuhe aus. Im Jahr 2016 wurden hierzulande schätzungsweise 78 Millionen Euro mit Fairtrade-Textilien erlöst – das wären lediglich etwas mehr als 0,1 Prozent Fairtrade-Anteil im Textilbereich. Bei einer Podiumsdiskussion mit Thomas Seibert (medico international) und ver.di-Landesbezirkssekretär Martin Gross ging es daher am 7. März ab 19.30 Uhr, im WEIT um niedrige Löhne und katastrophale Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken in Süd- und Südostasien. Bei drei Katastrophen starben allein 2012 und 2013 fast 1500 Näher/innen in Bangladesh und Pakistan, tausende wurden verletzt.

 

Was am 11. September 2012 bei Ali Enterprises in Karatschi (Pakistan) geschah, rekonstruiert eine Computersimulation des Forensic Architecture-Projekts der Universität London, von der auf der Veranstaltung Ausschnitte gezeigt wurden:
https://www.ecchr.eu/de/unsere-themen/wirtschaft-und-menschenrechte/arbeitsbedingungen-in-suedasien/pakistan-kik/articles/pakistan-kik-feb18.html

„Nach den Textil-Katastrophen von 2012 und 2013 hat sich nichts Wesentliches geändert“, so Seibert, der bei der Hilfsorganisation medico international für Menschenrechte, Süd- und Südostasien zuständig ist. Gewerkschafter Gross berichtete von Betriebsversammlungen bei H&M und Zara Deutschland, bei denen Beschäftigte aus Bangladesch und Pakistan über die Situation in ihren Betrieben erzählten. Der Lohn für viele Textil-Beschäftigte im globalen Süden sei unterhalb des Existenzminimums. So liegt der Mindestlohn in Bangladesch bei umgerechnet 50,32 Euro. Das ist nur etwa ein Fünftel des von der Asia Floor Wage Alliance errechneten existenzsichernden Lohns („living wage”), der für das asiatische Land bei 259,80 Euro liegt.

Auf internationaler Ebene haben Ecuador, Südafrika u.a. Staaten eine Initiative für ein rechtsverbindliches Abkommen („UN-Treaty“) für Wirtschaft und Menschenrechte gestartet. Diese UN-Initiative sollte laut Seibert in den kommenden Jahren von Aktivist/innen- und Gewerkschaftsnetzwerken weltweit begleitet und unterstützt werden. Rund 50 Besucher/innen kamen zu der von Tagblatt-Redakteur Volker Rekittke moderierten Veranstaltung, bei der WEIT-Direktor Claus Dierksmeier ein einleitendes Grußwort sprach. 

 

Text: Volker Rekittke
Fotos: Anne Faden/ Gordon Welters/ Anne Faden
Veranstalter: medico Tübingen