Weltethos Institut
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02.09.2019 14:59

Ein Ethikbeirat für Cyber Valley

Wissenschaftsministerin Bauer ernennt Ulrich Hemel zum Mitglied des Gremiums


Mit dem Public Advisory Board (PAB) richtet das Cyber Valley ein unabhängiges Komitee ein, das Forschungsprojekte hinsichtlich ihrer ethischen und sozialen Auswirkungen bewertet. Die größte Forschungs-kooperation Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) schafft damit ein zusätzliches Element der Transparenz.

Die Mitglieder des Gremiums wurden von Theresia Bauer, der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes, ernannt. "Künstliche Intelligenz hat ein enormes Potenzial für soziale Veränderungen. Um dieses Potenzial nutzen zu können, müssen die Menschen auch Vertrauen in die Möglichkeiten der KI haben. Transparenz und Dialog sind unerlässlich. Der öffentliche Beirat wird zur Entwicklung eines ethischen und sozialen Modells für die KI-Forschung beitragen. In diesem Sinne wollen wir auch einen offenen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft über die Einsatzmöglichkeiten von KI fördern", sagt Theresia Bauer.

"Die künstliche Intelligenz wird unsere Lebens- und Arbeitsweise entscheidend verändern", sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme. "Es ist von entscheidender Bedeutung für die Gesellschaft, dass wir diese Veränderungen antizipieren und uns darauf vorbereiten." Sein Kollege und Cyber Valley-Sprecher Michael J. Black ergänzt: "Es ist wichtig, dass wir die KI nutzen, um unser Leben zu verbessern. Aus diesem Grund freuen wir uns, dass Cyber Valley ein Instrument bietet, um KI-Forscher in diese wichtige und sich entwickelnde ethische Diskussion einzubinden. Der Dialog zwischen dem unabhängigen Beirat und den Wissenschaftlern wird dazu beitragen, die Zukunft der KI zum Wohle der Menschheit zu gestalten."

Die Aufgabe des PAB besteht darin, Projektanträge von Cyber Valley Forschungsgruppen zu prüfen, bevor sie vom Cyber Valley Research Fund Board genehmigt werden. Das Cyber Valley Research Fund Board ist eine gemeinsame Kommission der Partner aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, in der die akademischen Vertreter die Mehrheit haben. Er entscheidet auf der Grundlage wissenschaftlicher Exzellenz, welche Forschungsprojekte mit Mitteln des Forschungsfonds finanziert werden sollen. Nur die Cyber Valley Forschungsgruppen können Geld für den Cyber Valley Research Fund beantragen. Der Cyber Valley Research Fund finanziert freie Forschungsprojekte, d.h. Projekte, die nicht von der Industrie spezifiziert werden, obwohl es die Industriepartner sind, die den Fördertopf füllen. Sie hat ein Volumen von 5 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre.

Die Mitglieder des PAB haben Zugriff auf alle Förderanträge und sind somit in der Lage zu überprüfen, für welche Projekte die Mittel ausgegeben werden. Die PAB-Mitglieder nehmen an den Sitzungen des Forschungsfondsrates teil. Sie können weitere Informationen anfordern, Empfehlungen abgeben, Bedenken äußern und eine Debatte führen.

Die ernannten Mitglieder kommen aus verschiedenen Bereichen von Wissenschaft und Gesellschaft und repräsentieren damit ein breites Spektrum relevanter Disziplinen und Hintergründe.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: "Neben der fachlichen Expertise der Mitglieder des Public Advisory Board in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Ethik, Technologiebewertung und digitale Zivilgesellschaft ist es uns sehr wichtig, die Perspektive der jüngeren Generation einzubeziehen, denn ihr Alltag wird maßgeblich durch die zunehmende Durchdringung künstlich intelligenter Systeme geprägt sein".

Die folgenden Experten wurden in das PAB berufen:

Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn ist Professorin für Ethik am International Centre for Ethics in the Sciences and Humanities (IZEW) der Universität Tübingen und Leiterin der Abteilung Gesellschaft, Kultur und Technischer Wandel, wo sie sich mit ethischen Fragen des digitalen Lebens und der Entwicklung digitaler Technologien beschäftigt.

Prof. Dr. Heinrich Bülthoff ist emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen. Als Leiter der Abteilung "Menschliche Wahrnehmung, Kognition und Aktion" erforscht er die grundlegenden Prozesse der menschlichen Wahrnehmung und des Verhaltens in virtuellen Umgebungen.

Prof. Dr. Armin Grunwald ist Professor für Technologiephilosophie und Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie und Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag.

Prof. Dr. Dr. Dr. Ulrich Hemel ist Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen, das den kritischen Dialog zum Thema Ethik und KI allgemein sowie speziell zum Cybertal mit Konferenzen, öffentlichen Veranstaltungen und Vorträgen begleitet und gestaltet.

Lorena Jaume-Palasí ist Gründerin der gemeinnützigen Organisation The Ethical Tech Society, die an der Schnittstelle von Technologie, Ethik und Gesellschaft das Ziel verfolgt, Automatisierungs- und Digitalisierungsprozesse zu erforschen und hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz normativ zu klassifizieren. Als Mitglied der Hochrangigen Expertengruppe für KI der EU war sie an der Entwicklung der europäischen Ethikrichtlinien für vertrauenswürdige KI beteiligt.

Prof. Dr. Sandra Richter ist Direktorin des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, wo sie sich mit der Digitalisierung und den Produkten der digitalen Kultur sowie der Frage beschäftigt, wie digitale Technologien in der literarischen und kulturellen Vermittlung eingesetzt werden können.

Katharina Schmidt ist Gründerin des KI-Start-ups apic.ai, das mit künstlicher Intelligenz die Ursachen der Bienensterblichkeit untersucht. Damit zeigt das Unternehmen eine erfolgreiche Anwendung der KI im Bereich Umwelt- und Naturschutz. Außerdem ist sie am Forschungsprojekt G-Lab an der Fachhochschule Karlsruhe beteiligt. Basierend auf ihren Erfahrungen bei der Gründung eines eigenen Unternehmens entwickelt sie neue Konzepte zur Förderung einer Gründungskultur bei Studenten und unterstützt die Zusammenarbeit von Universitäten mit Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen.

Lukas Weber ist engagierter Vertreter und Mitorganisator der Fridays for Future Aktivitäten in Heidelberg und Student an der Universität Heidelberg. Er setzt sich dafür ein, die Folgen heutiger Entscheidungen, die unsere Gesellschaft stark prägen und verändern werden, wie die Weiterentwicklung und Anwendung der künstlichen Intelligenz, für zukünftige Generationen genauer zu betrachten.

Nicola Wettmarshausen ist Journalistin mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Umwelt und Technik und Gründerin der Bürgerinitiative EcoCurious, die mit innovativen Projekten und Do-it-yourself-Formaten neue Anwendungen für digitale Technologien erschließt und neue Perspektiven für einen noch engeren Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schafft.

Darüber hinaus wird ein gewähltes Mitglied des Stadtrates Tübingen in den Ausschuss berufen, das auf dem großen Engagement basiert, den lokalen Diskurs zur Cybertal-Initiative konstruktiv und kritisch zu gestalten und zu begleiten.

Alle Cyber Valley Partner sind der Transparenz verpflichtet. Regelmäßig finden Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz statt. Das Spektrum reicht von einer Reihe Studium Generale über AI, Tage der offenen Tür, Labortouren, Wissenschafts-Slams oder der Teilnahme an Ausstellungen wie MS Wissenschaft oder dem Tübinger Fenster für Forschung. Die Forscher, die Teil des Ökosystems Cybertal sind, nehmen an Podiumsdiskussionen teil - sei es mit Politikern im Neuen Schloss Stuttgart oder mit Studentenvertretern in Universitätshörsälen. Die Wissenschaftler halten regelmäßig Vorträge vor einem breiten Publikum, nehmen an Forschungs- und digitalen Gipfeln teil, sind offen für die Medien und begrüßen ihre Berichte.

Cyber Valley ist Europas größte Forschungskooperation mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie im Bereich der künstlichen Intelligenz. An der vom Land Baden-Württemberg unterstützten Initiative sind die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut für intelligente Systeme, die beiden Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie die Unternehmen Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Porsche SE, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG beteiligt. Das Cybertal wird auch von der Christian-Bürkert-Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector-Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung unterstützt. 

Text:

Linda Behringer
c/o Max-Planck-Institut für intelligente Systeme, Stuttgart

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